Mein letzter Beitrag auf diesem Blog ist vom 1. Juni 2025. Wer in den vergangenen Monaten vorbeigeschaut hat, wird festgestellt haben, dass ich meinen zuvor recht konstanten Veröffentlichungsrhythmus seitdem nicht mehr eingehalten habe. Da dies kein einmaliger Ausreißer war, sondern sich über einen längeren Zeitraum fortgesetzt hat, möchte ich an dieser Stelle ein kurzes Update geben.
Dieser Beitrag ist dabei übrigens der 104. insgesamt. Zwischen dem 5. Januar 2020 und dem 1. Juni 2025 sind 97 fachliche Artikel entstanden, verteilt über die Kategorien Architektur, Entwicklung, Methodiken, Programmiersprachen und Werkzeuge, ergänzt durch einige wenige Beiträge in der Rubrik Allgemein. Das ist im Rückblick deutlich mehr geworden, als ich zu Beginn erwartet hätte!
Ich werde diesen Blog ab sofort pausieren. Das bedeutet nicht, dass ich die Seite abschalte oder Inhalte entferne, sondern lediglich, dass es hier vorerst keine neuen Beiträge mehr geben wird. Die Gründe hierfür ergeben sich aus mehreren Veränderungen, die sich in den vergangenen zwei Jahren in meinem beruflichen und persönlichen Arbeitsalltag ergeben haben.
Ausgangslage
Als ich diesen Blog begonnen habe, war die Hauptmotivation nicht die Veröffentlichung an sich, sondern mein eigenes Selbststudium. In Projekten, die sich über lange Zeiträume erstrecken, lernt man zwangsläufig sehr viel, allerdings häufig in einer Tiefe, die sich stark auf einen konkreten Kontext konzentriert. Gleichzeitig besteht dabei die Gefahr, dass man sich über längere Zeit in einem relativ stabilen Umfeld bewegt, sowohl technisch als auch organisatorisch, und dadurch bestimmte Perspektiven, Themen und Denkweisen nur selten von außen herausfordert werden.
Der Blog war für mich ein Werkzeug, um dem entgegenzuwirken. Ich habe mir Themen gesucht, zu denen ich mich einarbeiten wollte, habe mir unterschiedliche Quellen und Meinungen angesehen, habe Dinge ausprobiert und anschließend versucht, die gewonnenen Erkenntnisse in Textform so zu verdichten, dass daraus ein Beitrag entsteht, der nicht nur für mich selbst als Notiz funktioniert, sondern auch für andere nachvollziehbar ist. Die Veröffentlichung war dabei ein zusätzlicher Anreiz, sauber zu arbeiten, Begriffe klar zu verwenden und mich nicht mit einem halbfertigen Verständnis zufrieden zu geben.
Consulting seit 2024
Seit dem Frühjahr 2024 arbeite ich wieder im Consulting. Damit hat sich mein Arbeitsalltag in einer Weise verändert, die einen Teil der ursprünglichen Motivation des Blogs inzwischen deutlich reduziert. Während ich zuvor über mehrere Jahre in einzelnen Projekten unterwegs war, bin ich nun in unterschiedlichen Branchen, Ökosystemen und technologischen Kontexten tätig. Hinzu kommt, dass ich mich regelmäßig mit Kolleginnen und Kollegen austausche, die ihrerseits in völlig anderen Projekten arbeiten und dadurch Impulse mitbringen, die man in einem isolierten Projektkontext schlicht nicht bekommt.
Dieser Effekt ist nicht zu unterschätzen. Viele Themen, die ich mir früher gezielt über Selbststudium erschlossen habe, begegnen mir heute entweder direkt in Projekten oder indirekt über Gespräche, Architektur-Reviews, Lessons Learned und den Vergleich von Vorgehensweisen. Der Bedarf, mir zusätzlich noch systematisch Themen zu suchen, um nicht im eigenen Kontext zu verharren, ist dadurch erheblich geringer geworden.
Das bedeutet nicht, dass der Blog inhaltlich überflüssig geworden wäre, sondern lediglich, dass seine ursprüngliche Rolle für mich persönlich nicht mehr die gleiche ist wie zu Beginn.
Veränderung der Recherche durch KI
Ein weiterer Punkt ist die Art und Weise, wie ich heute recherchiere. Noch vor wenigen Jahren bedeutete „ich arbeite mich in ein Thema ein“ in der Regel, dass ich eine Vielzahl an Blogartikeln, Dokumentationen, Stack-Overflow-Threads, Reddit-Diskussionen und anderen Quellen gelesen habe, um mir ein Bild zu machen. Das tue ich zwar gelegentlich immer noch, allerdings hat sich der Einstiegspunkt verschoben, und zwar so deutlich, dass es für mich inzwischen ein relevanter Faktor geworden ist.
Inzwischen beginne ich bei vielen Themen mit einer KI, um mir einen Überblick zu verschaffen, Begriffe zu sortieren und typische Zusammenhänge oder Fallstricke zu identifizieren. Erst wenn ich tiefer einsteigen möchte, greife ich gezielt zu Dokumentationen, Wikipedia oder anderen Quellen. Das ist nicht zwingend besser oder schlechter, aber es verändert den Prozess deutlich.
Für den Blog hat das eine Konsequenz, die ich in den vergangenen Monaten zunehmend als problematisch empfunden habe. Das Schreiben der Beiträge war für mich immer eng an den Prozess des Lernens gekoppelt. Wenn sich dieser Lernprozess jedoch verändert, insbesondere durch einen stärkeren KI-Einstieg, entsteht die Gefahr, dass nicht nur die Recherche effizienter wird, sondern dass auch Struktur, Ausdruck und Argumentationsweise unmerklich stärker von der KI geprägt werden, als mir lieb ist. Ich möchte diesen Blog nicht in eine Richtung entwickeln, in der ich Texte veröffentliche, die zwar korrekt klingen, aber weniger stark aus eigener Durchdringung und eigener Formulierung heraus entstehen.
Das gilt umso mehr, weil ich Beiträge nie des Schreibens willen verfasst habe. Der Aufwand war für mich immer dann sinnvoll, wenn er direkt mit einem Lern- oder Reflektionsprozess verbunden war. Wenn dieser Zusammenhang schwächer wird, verliert das Schreiben in dieser Form einen großen Teil seines ursprünglichen Wertes.
Warum der Blog online bleibt
Trotzdem möchte ich den Blog nicht löschen. Über die Jahre ist hier eine größere Sammlung an Artikeln entstanden, und auch wenn die Zielgruppe in erster Linie ich selbst war, halte ich viele Inhalte weiterhin für nützlich. Gerade für weniger erfahrene Entwicklerinnen und Entwickler kann ein Blog wie dieser einen Einstieg in Themen bieten, die man sonst möglicherweise nicht entdeckt hätte.
Ein wesentlicher Unterschied zwischen einem Blog und KI ist aus meiner Sicht, dass KI in der Regel eine konkrete Frage benötigt, um eine Antwort zu liefern. Wer bereits viel Erfahrung hat, kann sehr gezielt fragen, weil er genau weiß, welche Aspekte relevant sind, welche Alternativen es gibt und welche Begriffe überhaupt existieren. Wer weniger Erfahrung hat, weiß häufig nicht, wonach er fragen sollte. In solchen Fällen kann ein Blog hilfreich sein, weil er Themen aufzeigt, Motivation liefert und Zusammenhänge beschreibt, ohne dass der Leser vorher wissen muss, welche Frage er stellen müsste.
Auch wenn ich diesen Blog nie aktiv beworben habe, freue ich mich, wenn er weiterhin als Sammlung bestehen bleibt und gelegentlich genutzt wird.
Was stattdessen passiert
Die Pause bedeutet nicht, dass ich grundsätzlich aufgehört habe zu schreiben oder mich mit Softwareentwicklung auseinanderzusetzen. Ich veröffentliche gelegentlich spontane Beiträge auf LinkedIn, allerdings ohne festen Rhythmus und ohne den Anspruch, daraus eine fortlaufende Serie zu machen. Diese Form ist für mich im Moment deutlich passender, weil sie weniger Druck erzeugt und sich stärker an tatsächlichen Impulsen orientiert, statt an einem selbst gesetzten Zeitplan.
Darüber hinaus bin ich weiterhin auf GitHub aktiv und arbeite regelmäßig an kleineren Projekten. Aktuell implementiere ich beispielsweise einen Sudoku-Löser in Haskell und nutze das Projekt, um mich systematisch mit dem Haskell-Ökosystem auseinanderzusetzen. Dazu gehören unter anderem Unit-Tests, Linting sowie eine automatisierte Qualitätssicherung über GitHub Workflows. Das sind Themen, zu denen man durchaus auch Artikel schreiben könnte, insbesondere weil solche Einstiege in neue Ökosysteme oft ähnliche Fragen aufwerfen. Im Moment steht dabei für mich allerdings das Experimentieren und Lernen im Vordergrund, nicht das Ausformulieren in Blogform.
Fazit
Zusammengefasst ist die Blogpause also weniger ein Abschied als eine Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen. Seit dem Wechsel zurück ins Consulting ist der Bedarf, mir Themen aktiv als Ausgleich zu einem stabilen Projektkontext zu suchen, deutlich geringer geworden. Gleichzeitig hat sich meine Art zu recherchieren durch die allgemeine Verfügbarkeit von KI verändert, wodurch sich auch mein Verhältnis zum Schreiben längerer Artikel verschoben hat. Da ich Beiträge immer als Teil eines Lernprozesses verstanden habe und nicht als Selbstzweck, möchte ich diesen Blog in seiner bisherigen Form vorerst ruhen lassen.
Der Blog bleibt online, und es ist nicht ausgeschlossen, dass er irgendwann wieder aktiver wird, sei es mit verändertem Fokus oder in unregelmäßigen Abständen. Für den Moment ist jedoch keine Fortsetzung geplant.
Wer mir weiterhin folgen möchte, findet mich auf LinkedIn sowie auf GitHub.
